KI Tools für Psychotherapeut:innen: Was im Praxisalltag wirklich hilft und worauf zu achten ist

Marc Päpper
19.05.2026, 11:33

Wenn sich nach jeder Sitzung die Dokumentation stapelt, brauchen Sie eine andere KI-Unterstützung als für einen anstehenden Gutachterbericht. KI-Tools für Psychotherapeuten und Psychotherapeut:innen helfen vor allem beim Transkribieren, Strukturieren und Formulieren: DokuDachs erstellt prüfbare Sitzungsnotizen aus Therapiegesprächen, BerichtBiber unterstützt beim Schreiben von PTV3-Gutachterberichten und weiteren fachlichen Berichten. Welche Software zu Ihrer Praxis passt, hängt davon ab, welche Schreibarbeit Sie abgeben möchten und wie gut Sie den entstehenden Text prüfen können.

Stand: Oktober 2026.

Welches KI-Tool passt zu Ihrer Praxisaufgabe?

Beginnen Sie bei der Aufgabe, die regelmäßig liegen bleibt. Eine Spracherkennung liefert Transkripte, eine Dokumentationsassistenz verdichtet Sitzungen, eine Berichtsassistenz arbeitet auf einen bestimmten Empfänger und Anlass hin. Die Qualität eines Tools zeigt sich daran, ob sein Ergebnis in diesem konkreten Arbeitsablauf brauchbar ist.

KI-Unterstützung nach Schreibaufgabe auswählen
Ihre Aufgabe Passende Unterstützung Das sollten Sie im Test prüfen
Sitzungen zeitnah dokumentieren Transkription mit strukturierten Verlaufsnotizen Sind Interventionen, Reaktionen und Vereinbarungen nachvollziehbar? Lassen sich Aussagen im Gespräch wiederfinden?
Eigene Notizen einsprechen Diktat und anschließende Textstrukturierung Werden Fachbegriffe und Verneinungen richtig übernommen? Bleibt Ihre Einschätzung unverändert?
Einen Bericht an den Gutachter schreiben Berichtsassistenz mit PTV3-Gliederung Passt der Entwurf zu Antragsart, Therapieverfahren und Fallkonzeption?
Befundberichte oder Stellungnahmen verfassen Berichtsassistenz mit anpassbaren Vorlagen Beantwortet der Text die konkrete Anfrage? Enthält er nur Angaben, die für den Zweck gebraucht werden?
Allgemeine Materialien vorbereiten Textassistenz ohne personenbezogene Falldaten Sind Informationen fachlich richtig und für die vorgesehenen Leser:innen verständlich?

Sie müssen dafür nicht die gesamte Praxisorganisation umstellen. Wenn vor allem die Verlaufsnotizen Zeit kosten, testen Sie zuerst diesen Ablauf. Sind es die Berichte, beginnen Sie mit einer Berichtsassistenz.

Wie wird aus einem Therapiegespräch eine gute Sitzungsnotiz?

Ein vollständiges Transkript hält fest, was gesagt wurde. Eine Sitzungsnotiz macht sichtbar, was für den Behandlungsverlauf relevant ist: bearbeitete Themen, eingesetzte Interventionen, Reaktionen, Veränderungen und Vereinbarungen. Dafür braucht die KI eine passende Dokumentationsstruktur und Sie einen kurzen Weg zur Prüfung.

DokuDachs transkribiert Therapiegespräche und erstellt daraus strukturierte Zusammenfassungen. Quellenverweise führen zur zugehörigen Stelle im Transkript; Aufbau und Umfang lassen sich über Vorlagen und die gewünschte Ausführlichkeit anpassen. Sie bearbeiten den Entwurf direkt und können die geprüfte Fassung als Word-Dokument exportieren oder drucken.

Damit verschiebt sich die Nacharbeit: Sie prüfen einen vorhandenen Entwurf, korrigieren unklare Stellen und ergänzen Ihre fachliche Einschätzung, soweit sie im Gespräch nicht enthalten ist. Sie müssen die Sitzung nicht nochmals aus dem Gedächtnis verschriftlichen. Wie der Weg vom Gespräch zum Text funktioniert, erläutert die Seite Therapie transkribieren.

Ein Beispiel: Verdichten, ohne den Verlauf zu verändern

Das folgende fiktive Beispiel zeigt eine Formulierungsprüfung, keine Behandlungsempfehlung. In den Ausgangsnotizen steht: „Zwei Busfahrten versucht. Eine vorzeitig beendet. Anspannung weiterhin hoch. Vermeidung besprochen. Nächster Schritt vereinbart.“

Eine passende Verdichtung wäre: „Die Patient:in berichtet von zwei versuchten Busfahrten, von denen eine vorzeitig beendet wurde. Die Anspannung besteht fort. Vermeidung wurde in der Sitzung thematisiert und ein nächster Schritt vereinbart.“

„Die Patient:in bewältigt Busfahrten inzwischen sicher“ würde den Verlauf falsch darstellen. Achten Sie deshalb besonders auf Verneinungen, zeitliche Angaben und den Unterschied zwischen berichteter Erfahrung und eigener Beobachtung. Ein flüssiger Text ist erst dann brauchbar, wenn er diese Unterschiede erhält.

Wie hilft KI beim PTV3-Bericht und bei Therapieanträgen?

Beim Bericht an den Gutachter müssen Anamnese, Symptomatik, Befund, Fallkonzeption und Behandlungsplanung zusammenpassen. Eine Sammlung von Sitzungszusammenfassungen beantwortet diese Aufgabe noch nicht. Für Erst-, Umwandlungs- und Fortführungsanträge brauchen Sie eine Berichtsassistenz, die die jeweilige Struktur berücksichtigt.

Der PTV3-Leitfaden der KBV gibt die Gliederung vor und unterscheidet verfahrensbezogene Inhalte. Der Bericht soll sich auf Informationen beschränken, die für das Verständnis der Störung und die Behandlung relevant sind. PTV3 ist dabei der Leitfaden für den Bericht, kein Formular, das eine KI einfach vollständig ausfüllen muss.

BerichtBiber unterstützt diesen Ablauf: Sie geben Ihre Notizen ein oder sprechen sie ein und erhalten strukturierte Berichtsentwürfe für Ihr Therapieverfahren. Unterstützt werden Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte, analytische und systemische Therapie sowie Erst-, Umwandlungs- und Fortführungsanträge. Der Text bleibt bearbeitbar; fertige Berichte können Sie als Word- oder PDF-Dokument exportieren.

Gerade beim Umwandlungsantrag hilft eine nachvollziehbare Verlaufsdokumentation als Arbeitsgrundlage: Was hat sich verändert, welche Ziele wurden erreicht und weshalb ist weitere Behandlung erforderlich? Sie wählen die relevanten Angaben aus und prüfen, ob der Bericht Ihre Fallkonzeption und die Begründung tatsächlich wiedergibt. Fehlende Befunde oder Begründungen müssen fachlich geklärt werden, statt sie durch plausibel klingende Formulierungen zu ersetzen.

Die Unterstützung betrifft die Erstellung des Berichtstextes. Antragstellung, fachliche Verantwortung und die Entscheidung über eine Bewilligung bleiben davon getrennte Aufgaben.

Auch Befundberichte, Stellungnahmen und andere Anträge

Außerhalb des Gutachterverfahrens ändern sich Empfänger, Fragestellung und gewünschter Umfang. Ein Verlaufsbericht für mitbehandelnde Ärzt:innen braucht andere Schwerpunkte als eine Stellungnahme für das Jugendamt oder ein Bericht für PKV beziehungsweise Beihilfe. Eine vorhandene PTV3-Gliederung passt dafür nicht automatisch.

BerichtBiber bietet dafür eigene, wiederverwendbare Berichtsvorlagen. Sie können eine Fachvorlage übernehmen, Abschnitte selbst anlegen oder die Struktur eines anonymisierten Beispieldokuments erkennen lassen. So lassen sich Befund-, Verlaufs- und Abschlussberichte sowie Stellungnahmen auf den jeweiligen Zweck ausrichten.

Die Vorlagengalerie umfasst beispielsweise Befundberichte für die Deutsche Rentenversicherung (S0051), Berichte für das Versorgungsamt bei einem GdB-Antrag und Stellungnahmen zur Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII. Wenn solche Anfragen in Ihrer Praxis wiederkehren, können Sie die passende Struktur einmal einrichten und für weitere Fälle nutzen. Die fallbezogenen Angaben und deren Bewertung kommen weiterhin von Ihnen.

Bei Schreiben für Anträge sollten Sie zunächst klären, welche Frage der Bericht beantworten soll und welche Angaben erforderlich sind. Eine Vorlage erleichtert den Aufbau; sie bestätigt nicht automatisch, dass alle Anforderungen des Empfängers erfüllt sind.

Wann reicht eine allgemeine KI wie ChatGPT?

Eine allgemeine Text-KI kann helfen, einen patientenunabhängigen Informationstext zu vereinfachen, eine Gliederung zu entwerfen oder Formulierungsvarianten zu finden. Für solche Aufgaben benötigen Sie keine echte Fallgeschichte. Sobald personenbezogene Angaben verarbeitet werden, müssen Sie die konkrete Anwendung, Verträge und Datenflüsse prüfen.

Bei wiederkehrenden Praxisaufgaben lohnt sich ein spezialisierter Ablauf vor allem dann, wenn er Vorlagen, Quellenprüfung, Bearbeitung und Export zusammenführt. Sie sparen sich das wiederholte Erklären der gewünschten Struktur. Die Bezeichnung „für Psychotherapie“ allein sagt allerdings noch nichts darüber aus, wie gut ein Tool arbeitet oder wie es Daten schützt.

Auch für psychoedukative Materialien gilt: Prüfen Sie Inhalt, Sprache und Eignung, bevor Sie einen Text weitergeben. Die Erstellung allgemeiner Informationen und eine individuelle klinische Empfehlung sind unterschiedliche Aufgaben.

Was müssen Sie bei Datenschutz und Aufnahmen prüfen?

Therapiegespräche enthalten sensible Gesundheitsdaten. Prüfen Sie vor dem ersten Einsatz, welche Daten aufgenommen, an welche Stellen übertragen und wie lange sie aufbewahrt werden. Die Orientierungshilfe der Datenschutzkonferenz zu KI und Datenschutz betont unter anderem die erforderliche Rechtsgrundlage für personenbezogene Verarbeitung und die Prüfung der Nutzung von Eingaben zu Trainingszwecken.

  • Verträge und Rechtsgrundlage: Liegen die für Ihren Einsatz erforderlichen Vereinbarungen vor, insbesondere ein Auftragsverarbeitungsvertrag, wenn der Anbieter als Auftragsverarbeiter tätig wird?
  • Verarbeitung: Welche Anbieter und Unterauftragnehmer erhalten Audio oder Text, und wo findet die Verarbeitung statt?
  • Speicherung und Zugriff: Wer kann gespeicherte Inhalte entschlüsseln? Welche Löschfristen und Zugriffsbeschränkungen gelten?
  • KI-Training: Ist die Nutzung Ihrer Eingaben und Ergebnisse für Modelltraining ausgeschlossen?
  • Aufnahme und Aufklärung: Wie erklären und dokumentieren Sie die Einwilligung in die Aufnahme und den vorgesehenen KI-Einsatz?

Entfernte Namen machen eine Fallbeschreibung nicht automatisch anonym. Seltene Lebensereignisse, Berufe oder Familienkonstellationen können eine Person weiterhin erkennbar machen. Ebenso ersetzt eine Einwilligung in die Aufnahme nicht die Prüfung des gesamten Verarbeitungsablaufs.

Für die Sitzungsaufnahme sollten Patient:innen vorab verstehen, wozu sie dient, wie die Daten verarbeitet werden und welche Alternative ohne Aufnahme besteht. Als Ausgangspunkt für Ihre eigene Aufklärung können Sie die anpassbare Muster-Einwilligung nutzen.

Bei DokuDachs werden gespeicherte Transkripte und Sitzungsnotizen mit einem persönlichen Schlüssel verschlüsselt. Die Beschreibung der Sicherheitsarchitektur erläutert außerdem die Verarbeitung von Audiodaten und den Verzicht auf KI-Training. Unterscheiden Sie bei jeder Anbieterprüfung zwischen dem Schutz gespeicherter Daten und der Verarbeitung, die für Transkription und Texterstellung nötig ist.

Wie testen Sie, ob die KI Sie wirklich entlastet?

Ein schöner Beispieltext sagt wenig über Ihre tatsächliche Nacharbeit aus. Testen Sie eine konkrete Aufgabe mit Ihrer gewünschten Struktur und beurteilen Sie den gesamten Weg bis zum verwendbaren Dokument. Für einen ersten Vergleich eignen sich fiktive Inhalte; echte Falldaten gehören erst nach Klärung der Voraussetzungen in den Test.

  1. Aufgabe festlegen: Wählen Sie eine Verlaufsnotiz, einen Gutachterbericht oder eine Stellungnahme, die Ihren üblichen Schreibbedarf abbildet.
  2. Entwurf prüfen: Kontrollieren Sie Zuordnung, Verlauf und fachliche Aussagen. Markieren Sie fehlende Informationen und unbelegte Ergänzungen.
  3. Korrektur ausprobieren: Lässt sich eine Aussage schnell zur Quelle zurückverfolgen? Können Sie den Text und seine Struktur passend bearbeiten?
  4. Export durchführen: Prüfen Sie, ob die Ausgabe in Ihrem bisherigen Ablage- oder Versandprozess tatsächlich verwendbar ist.
  5. Gesamtaufwand vergleichen: Erfassen Sie Eingabe, Prüfung, Korrekturen und Übernahme zusammen. Entscheidend ist die Zeit bis zur brauchbaren Fassung.

Notieren Sie auch, welche Fehler wiederkehren. Wenn Sie regelmäßig Sprecherzuordnungen oder die zentrale Behandlungsbegründung neu schreiben müssen, braucht dieser Teil des Ablaufs eine andere Einstellung oder eine andere Lösung. Eine sinnvolle Assistenz erleichtert die Prüfung ebenso wie das Schreiben.

Häufige Fragen

Kann ich KI nutzen, ohne die Therapiesitzung aufzunehmen?

Ja. Für eine Berichtsassistenz können Sie eigene Notizen tippen oder diktieren, ohne das Therapiegespräch aufzunehmen. Auch diese Notizen können personenbezogene Gesundheitsdaten enthalten; die Datenschutzprüfung bleibt erforderlich.

Ersetzt eine Dokumentations-KI meine Praxissoftware?

Eine KI für Sitzungsnotizen übernimmt nicht automatisch Abrechnung, Terminverwaltung oder die übrigen Aufgaben Ihrer Praxissoftware. Prüfen Sie deshalb den Export und die Übernahme in Ihren bestehenden Ablauf. Ein Word- oder PDF-Export bedeutet noch keine direkte Schnittstelle zu Ihrem Praxisverwaltungssystem.

Lohnt sich eine gemeinsame Lösung für Sitzungen und Berichte?

Wenn beide Schreibaufgaben regelmäßig anfallen, kann ein gemeinsamer Zugang die Nutzung und Abrechnung vereinfachen. DokuDachs und BerichtBiber sind auch als Praxis-Paket erhältlich. Ob sich das für Sie lohnt, hängt davon ab, wie oft Sie beide Funktionen tatsächlich verwenden.

Testen Sie DokuDachs sieben Tage kostenlos und prüfen Sie, wie gut eine Sitzungsnotiz zu Ihrer Arbeitsweise passt. Wenn Sie auch Gutachterberichte und weitere Berichte schreiben, können Sie das Praxis-Paket mit BerichtBiber wählen.

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